Christopher Kast: Der Papsthof auf Reisen. Die Reisen der römischen Kurie in den Pontifikaten von Martin V. bis Pius II. (1417-1464) (= Papsttum im mittelalterlichen Europa; Bd. 12), Köln / Weimar / Wien: Böhlau 2024, 532 S., ISBN 978-3-412-52822-5, EUR 80,00
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Die Reisetätigkeit mittelalterlicher Päpste gilt zu Recht als ein ergiebiges Forschungsfeld. Seit den Anfängen des Reformpapsttums wurde das Reisen zu einem wichtigen Instrument päpstlicher Politik, wie bereits Jochen Johrendt in einem 2001 erschienenen Aufsatz hervorgehoben hat [1]. Auch Agostino Paravicini Bagliani hat in zahlreichen Publikationen auf den mobilen Charakter der römischen Kurie und dessen Bedeutung für die Konstruktion der päpstlichen Monarchie hingewiesen. [2] Gerade diese Mobilität der Bischöfe von Rom führte dazu, dass sich der Führungsanspruch des Papstes schrittweise von einem Ort löste und mit der Person und dem Amt des Papstes selbst identifizierte.
Die vorliegende Arbeit von Christopher Kast reiht sich in diese Forschungsrichtung ein. Beim Buch handelt es sich um die überarbeitete Fassung einer 2021 an der Ludwig-Maximilians-Universität München verteidigten Dissertation. Während zur Mobilität des Papstes und der Kurie im Hochmittelalter bereits aufschlussreiche Forschungen vorliegen, wurde dasselbe Thema für das Spätmittelalter eher vernachlässigt. Genau hier setzt die Arbeit von Christopher Kast an: Er untersucht die Reisen der Kurie im 15. Jahrhundert nach dem Konstanzer Konzil in den Pontifikaten Martin V. bis Pius II. (1417-1464). Im Fokus der Arbeit stehen die Wahrnehmung, die Bedeutung und die Konsequenzen der Reisen der Päpste für die gastgebenden Städte sowie für den Apostolischen Stuhl selbst, insbesondere für die Apostolische Kammer. Dieser Fokus spiegelt sich auch in der Auswahl der betrachteten Quellen wider. Einerseits bilden die Rechnungsbücher der Apostolischen Kammer, deren Potenzial bislang eher unerschlossen geblieben war, die unabdingbare Basis der Arbeit. Andererseits werden, komplementär zu den päpstlichen Quellen, die Beschlüsse der Stadtratssitzungen sowie die kommunale Rechnungsüberlieferung herangezogen. Hinzu kommen auch Reiseberichte sowie historiographische Quellen externer Beobachter, die vom päpstlichen Aufenthalt in ihren Städten erzählen.
Ausgangspunkt der Arbeit ist das Pontifikat Martins V. Dieser kehrte letztendlich nach Rom zurück und leitete vor allem eine Erneuerung des päpstlichen Haushalts ein. Die Reisetätigkeit von Papst und Kurie wird dabei nicht einfach chronologisch, sondern vor allem aus der Perspektive des Finanzwesens und der administrativen Organisation untersucht.
Die Arbeit ist in fünf Kapitel gegliedert, die jeweils mit einem aussagekräftigen Zwischenfazit enden. Da die Forschung von Christopher Kast weder einer chronologischen Reihenfolge folgt noch jedes einzelne päpstliche Itinerar darstellt, bieten die einzelnen Kapitel die Analyse und Darstellung einiger umfassender Aspekte der päpstlichen Reisetätigkeit. Das erste Kapitel geht auf die politischen Rahmenbedingungen der päpstlichen Reisen am Beispiel der Pontifikate von Martin V., Eugen IV. und Pius II. ein. Hierbei handelt es sich um eine eher klassische Herangehensweise, die jedoch für das 15. Jahrhundert kaum zur Geltung gekommen war. Sie bildet zugleich einen wichtigen Rahmen für die darauffolgenden Ausführungen. Im zweiten und dritten Kapitel stehen hingegen die Vorbereitung der Reisen und die involvierten Persönlichkeiten im Fokus. Somit entsteht ein facettenreiches und vielschichtiges Bild der römischen Kurie und der Personen, die in niederen kirchlichen Ämtern für den Papst arbeiteten. Darüber hinaus werden im dritten Kapitel auch einige Lebensgewohnheiten der Kurie beleuchtet, darunter Essgewohnheiten und die Vorbereitung und Pflege der Pferde. Die Kapitel vier und fünf befassen sich mit den gastgebenden Städten: Im vierten Kapitel werden einige Zeremonien und Rituale zur päpstlichen Ankunft dargelegt sowie einige äußere Dekorationen beschrieben, die zu diesem Anlass angefertigt wurden (299--310). Im fünften Kapitel werden insbesondere einige infrastrukturelle Veränderungen in der jeweiligen gastgebenden Stadt erörtert, hauptsächlich am Beispiel von Siena und dem Aufenthalt von Pius II. im Jahr 1460.
Das Buch schließt mit einer umfassenden Schlussbemerkung, einem sechzigseitigen Anhang, in dem die Reiseitinerare von Martin V. und Nikolaus V., eine Karten- und Häuserliste sowie die Editionen einiger Urkunden gesammelt sind, und einem Personen-, Sach- und Ortsregister.
Der Papsthof auf Reisen bietet einen umfassenden Einblick in die Organisation der päpstlichen Reisetätigkeit im Spätmittelalter und ihre wirtschaftlichen, politischen und sozialen Auswirkungen auf die einzelnen Städte und ist somit ein Werk, das für die Geschichte des Papsttums im Spätmittelalter anregend wirkt.
Anmerkungen:
[1] Jochen Johrendt: Die Reisen der frühen Reformpäpste. Ihre Ursachen und Funktionen, in: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte, 96 (2001), 57-94.
[2] Agostino Paravicini Bagliani: La mobilità della corte papale nel secolo XIII, in: Itineranza pontificia. La mobilità della Curia papale nel Lazio (secoli XII-XIII), a cura di Sandro Carocci, Roma 2003, 3-80.
Caterina Cappuccio